5. Was ist „Lernen“? Lerntheorien und Web 2.0

Im Kontext „E-Learning“ könnte man sich zunächst kurz mit einigen aktuellen und sehr interessanten theoretischen Ansätzen am Lernprozess auseinandersetzen, und nämlich den konstruktivistischen und den konnektivistischen Ansätze.

1) Was ist „Lernen“?

Die Lehrerin Lisa Rosa stellt folgendes fest, dass das traditionelle Lernverständnis nicht mehr zu den aktuellen Umweltbedingungen passt, weil sie tatsächlich die Art und Weise und die Inhalte des Lernens verändert haben. Deshalb versteht man es unter „Lernen“, der Operationsmodus der Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Umwelten. Und diese ist kulturhistorisch konkret, d.h. sie verändert sich im Laufe der Menschheitsgeschichte.“ Um diese Definition tiefgehender nachzuvollziehen, könnten die folgende Bilder je nach dem Jahrhundert verglichen werden.

19th Century Literacy

Im 19. Jahrhundert heißt „Lernen“, das Vorgegebene aufzunehmen und auswendig zu erinnern, um es in bestimmten Situationen anwenden zu können. Die vom Prof. Dr. Stefan Aufenanger sogenannte „Pizza-delivering“ Methode ist höchstwahrscheinlich die populärste Vorstellung vom „Lernen“.

 

20th Century Literacy

Schon im 19. Jahrhundert von Humbolt, und dann im 20. Jahrhundert von der Reformpädagogik, wird die Entwicklung der Lernfähigkeiten dazu in Rücksicht genommen, d.h. beginnt man eigentlich, zu lernen, wie man absichtlich lernt. 1971 ist Albin Toffler des Erachtens: „Der Analphabet von morgen ist nicht der Mensch, der nicht lesen kann; es ist der Mensch, der nicht Lernen gelernt hat.“

 

21st Century Literacy

Im 21. Jahrhundert bzw. im digitalen Zeitalter kommt man noch ein bisschen weiter, indem die Beziehungen nach den Netzprinzipien wieder gestaltet werden. Wissen und Lernen werden nämlich

  • offen,
  • überall- stets,
  • verknüpft,
  • multiperspektivisch- intrasubjektiv,
  • selbstgesteuert,
  • personalisiert.

Beim „Lernen Lernen lernen“ oder „Lernen 3. Ordnung“ geht es um Sinnbildungslernen, indem man zuerst nach dem WARUM fragt, um dann das WIE zu ermöglichen und das WAS selbst ergreifen zu können. Lernen heißt, dem Kulturanthropologen Michael Wesch zufolge, Bedeutungen zu erschaffen, oder noch tiefgehend, bedeutet es, laut dem Lerntheoretiker George Siemens, etwas mit dem Wissen zu tun.

Im Hinblick dieser bisherigen Erklärung, sollte die Lerntätigkeit bzw. die persönliche Lernumgebung (PLE)/ das persönliche Lernnetzwerk (PLN) des jetzigen Lernenden für ein gelingendes Lernen so gestaltet sein:

  1. das Wissen sammeln und selbst verarbeiten (= interiorisieren),
  2. etwas davon selbst produzieren und publizieren (=  exteriorisieren),
  3. das Wissen (und das Nichtwissen: Fragen, Fehler und Miskonzepte) ständig teilen und zusammenarbeiten (= Dialog), damit er mehr lernt oder Neues entwickelt (d.h. wieder vom Punk 1 zu beginnen).

 

2) Visualiesirung der konstruktivistischen und konnektivistischen Lerntheorien in Bildern

 

 

Bei der konstruktivistischen sowie bei der konnektivistischen Lerntheorien handelt es sich eigentlich um einen Paradigmenwechsel, indem Lernen für ein selbstbestimmter lebenslanger Prozess und Wissen als die individuelle Konstruktion eines aktiven Lernens in einem sozialen Kontext gehalten werden.

Beim Konstruktivismus ist der Lerner aktives Subjekt des Lernprozesses, indem er in der Lage gesetzt wird, selbst Bedeutungen zu schaffen oder Problemen zu lösen. Daraus hat sich der konnektivistische Ansatz weiter entwickelt.

Beim Konnektivismus ist der Lerner aktiv als Teil eines Lernetzwerkes, und zwar als Teilnehmer an sozialen virtuellen Lernnetzen, die über die Technologie, oder besser gesagt, die Einstellung von Web 2.0 verfügen und deshalb kein altes Problem, wie z.B. die Verfügbarkeit von Wissen, die geographischen Distanz oder die Sprachbarriere, haben.

Die Beiträge der Lernenden werden nicht (nur) als Endprodukte angesehen, sondern auch als Ausgangspunkte für die andere, die sich damit konfrontieren und Inhalte integrieren, erweitern, verfeinern oder aktualisieren.

Beim Lernen unter den Vorzeichnen von Web 2.0 wird die Priorität nicht auf das Speichern von Wissen, sondern auf den Prozess des ständigen Austauschs und der Verbesserung von Ideen gesetzt. Inhalte werden nicht mehr nur durch reine Texte, sondern man kann auch über Audiodateien, digitale Fotos und Videos verfügen.

Das Lehrsystem basiert sich nicht mehr nur auf festiges Material (z.B. ein Buch), sondern auf eine aktualisierbare Lernumgebung (z.B. Opal) oder auf ein persönliches Lernnetzwerk (PLN).

Der Lehrer ist nicht mehr hauptsächlich der reine Vermittler von Informationen, sondern der Moderator/ Lernbegleiter des Lernprozesses sowie Teilnehmender des Lernnetzwerkes.

3) Vergleich zwischen der traditionellen, der konstruktivistischen und der konnektivistischen Vorstellung vom „Lernen“

tabelle_lernen

 

Quellen:

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